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Ab 2020: Neues Tarifmodell für Trinkwasser in Dormagen

(vom 15.10.2019)

Neuer Systempreis ersetzt bisherigen zählerbasierten Grundpreis

Dormagen. Die evd versorgt täglich 65.000 Menschen in Dormagen mit Trinkwasser in Lebensmittelqualität. Hinter der hohen Qualität und ständigen Verfügbarkeit stecken viel Arbeit für Betrieb, Instandhaltungsmaßnahmen sowie die stetige Erweiterung des Wasserversorgungssystems.

Die Kosten für die Wasserversorgung fallen aufgrund der hohen Anforderungen zum größten Teil unabhängig von der verbrauchten Wassermenge an. Um die hohe Trinkwasserqualität und Versorgungssicherheit dauerhaft aufrechterhalten zu können, muss die evd in Anlagen und Infrastruktur investieren. „Dafür benötigen wir Planungssicherheit. Diese ist nur gewährleistet, wenn den fixen Kosten auch fixe Einnahmen gegenüberstehen“, erklärt evd-Geschäftsführer Klemens Diekmann.

Bisheriges Tarifmodell führt langfristig zu Kostendeckungslücke

„Das bisherige Tarifmodell für Trinkwasser in Dormagen bildet die tatsächlichen Kosten der Trinkwasserversorgung langfristig nicht mehr ausreichend ab“, so Diekmann. Trotz wachsender Bevölkerungszahlen ist der Wasserverbrauch in Dormagen seit Jahren konstant. Durch wassersparende Geräte und bewussterem Verhalten sinkt der Pro-Kopf-Verbrauch des Trinkwassers stetig. Der Bevölkerungszuwachs in Dormagen bedeutet zudem, dass das Leitungsnetz der evd z.B. durch Erschließung von Neubaugebieten ständig erweitert werden muss. Die Kosten für die Instandhaltung des Netzes steigen, wohingegen die Einnahmen der evd aufgrund des sinkenden Pro-Kopf-Verbrauchs konstant bleiben oder sogar sinken. Auch wenn die Wasserabnahme im Sommer steigt, werden die Einnahmen der evd auf Dauer nicht mehr ausreichen, um die anstehenden Investitionen zur Instandhaltung und Modernisierung der Wasserversorgung zu finanzieren. „Das ginge nur mit stark steigenden Wasserpreisen. Dem wollten wir entgegensteuern“, sagt Klemens Diekmann.

70% der Einnahmen durch die Wasserversorgung erzielte die evd bisher über die verbrauchte Wassermenge. Diese Einnahmen sind aber variable, da sich der Wasserverbrauch je nach Witterung verändert und vom Verbrauchsverhalten der Wasserkunden abhängt. Nur 30% der Einnahmen sind für die evd fixe, also planbare Einnahmen, die durch den Grundpreis abgebildet werden. Demgegenüber stehen 80% Fixkosten, die die evd für den Betrieb des Netzes hat. Es wird also nur ein geringer Teil der fixen Kosten, die die evd trägt, durch planbare fixe Einnahmen abgedeckt. Um diese Kostendeckungslücke zu reduzieren, führt die evd ein neues Wasserpreissystem ein.

Die Kosten der Wasserversorgung sollen verursachungsgerechter gemäß der Inanspruchnahme auf alle Nutzer des Systems verteilt werden. „Der Preis für Trinkwasser in Dormagen hat sich bisher zum größten Teil nach der verbrauchten Trinkwassermenge und nach der Größe des verbauten Zählers bemessen. In diesem Tarifmodell zahlt ein Einfamilienhaus denselben Grundpreis wie zum Beispiel ein Fünffamilienhaus, da in nahezu allen Häusern nur ein Zähler pro Gebäude verbaut ist. Die Kosten sind also ungleich verteilt“, erklärt Diekmann. Während kleinere Häuser mehr zahlen, zahlen Bewohner eines Mehrfamilienhauses einen viel geringeren Grundpreisbetrag nur deshalb, weil sie sich mit mehreren Parteien die Kosten für den Wasserzähler teilen.

Für eine zukunftsfähige Trinkwasserversorgung

Um die Trinkwasserversorgung in Dormagen auch weiterhin zukunftssicher aufzustellen und die Kosten verursachungsgerechter unter den Nutzern des Systems zu verteilen, hat die evd die Einführung eines neuen Tarifmodells geprüft. Grundlagen für die Untersuchung waren Daten aus der Befragung der evd Wasserkunden. Im Mai 2019 hat die evd alle Hauseigentümer angeschrieben und gebeten, die Art der Nutzung (gewerblich/privat) sowie die Anzahl der Wohneinheiten bzw. Gewerbeeinheiten mitzuteilen. „Mehr als 65% Prozent der Kunden haben an der Auskunft teilgenommen. Eine hohe Quote mit der wir sehr zufrieden waren“, sagt der evd-Geschäftsführer. Die erhobenen Kundendaten zeigten, dass ein neues Preismodell das aktuelle Preissystem ersetzen kann und die Umstellungseffekte gering gehalten werden können. Das neue Tarifmodell für Trinkwasser in Dormagen wird zum 01. Januar 2020 eingeführt.

Systempreis ersetzt Grundpreis

Das neue Tarifsystem wurde gemeinsam mit Experten entwickelt, die zum Beispiel schon die RheinEnergie und die Stadtwerke Krefeld bei der Umstellung ihrer Wassertarifmodelle beraten hatten. Im neuen Tarifmodell ersetzt ein Systempreis den zählerbasierten Grundpreis. Der neue Systempreis staffelt sich nach Anzahl der Wohneinheiten in einem Gebäude. Bei überwiegend gewerblich genutzten Gebäuden nach Verbrauchsklassen. So werden alle Nutzer des Wasserversorgungs-systems verursachungsgerechter an den Kosten beteiligt. „Die evd erzielt durch die Umstellung des Preissystems keine Mehrerlöse, erhält aber so mehr Planungssicherheit für künftige Investitionen“, betont Diekmann.

Das neue Tarifsystem der evd dormagen ist ausgewogener als das bisherige. So wurde der Brutto-Mengenpreis um 46 Cent von bisher 1,69 Euro je Kubikmeter auf 1,23 Euro je Kubikmeter gesenkt, damit die Entgeltanteile neu strukturiert werden konnte.

Um die Preise möglichst leistungsgerecht zu gestalten, wurden die neuen Systempreise so kalkuliert, dass sie zwar mit zunehmender Gebäudegröße steigen, aber mit immer geringer werdenden Zuwächsen. So hat ein Sechsfamilienhaus zwar sechsmal so viele Wohneinheiten wie ein Einfamilienhaus, der Systempreis ist aber nur zweimal so hoch. Bisher gab es bei den Grundpreisen gar keine Unterschiede, trotz stark unterschiedlicher Inanspruchnahme des Versorgungssystems. Auch bei gewerblichen Kunden gibt es Änderungen. Deren Systempreise sind im neuen Tarifsystem nach dem Jahresverbrauch in Klassen gestaffelt. 

Nur geringe Auswirkungen in den Wasserrechnungen

Eines der wichtigsten Ziele des rund 12 Monate laufenden Projektes war, die Be- und Entlastungen für Kunden bei der Umstellung möglichst gering zu halten. Dieses Ziel wurde erreicht, Geschäftsführer Klemens Diekmann zeigt sich daher zufrieden. „Dank einer sehr ausgefeilten Modellierung und der Erfahrung der Berater aus Mülheim an der Ruhr ist es uns gelungen ein Preissystem zu entwickeln, bei dem die Normal- oder Durchschnittsverbraucher mit  weniger als einem Euro pro Monat be- oder entlastet werden“, erklärt Diekmann.

Eine wichtige Rolle spielen auch die Vermieter. Während nämlich Einfamilienhauseigentümer ihre Wasserrechnung von der evd bekommen und sich die Wasserpreise in ihren Haushaltskosten niederschlagen, erhalten Mieter in Mehrfamilienhäusern eine Nebenkostenabrechnung. Darin sind die Wasserkosten nur selten nach Verbrauch aufgeschlüsselt. So schlägt sich die Änderung in Mehrfamilienhäusern nicht unbedingt in den Nebenkosten nieder.

Bei Fragen zum neuen Tarifsystem hilft das evd-Kundenforum auf der Mathias-Giesen-Straße 13 den Kunden gerne weiter. „Eine Anpassung des Abschlages ist nicht notwendig, kann aber auf Wunsch gerne im evd-Kundenportal bequem online vorgenommen werden“, erklärt evd Vertriebsleiter Ivan Ardines.

Einen umfangreichen Frage-Antwort-Katalog finden Kunden und Interessierte im Internet unter www.evd-dormagen.de/systempreis.

 

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